Nine Months of De-Construction

Speculations about Death

Nine Months of De-Construction - Speculations about Death



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Diese spekulative Arbeit hinterfragt traditionelle Sepulkralkulturen und damit verbundene Rituale und Artefakte, die den Tod oft verhüllen und distanzieren. Es wird ein neuartiges, poetisches Bestattungsritual angedacht, welches auf eine ökologisch verantwortungsvolle Rückführung des Verstorbenen abzielt und dabei unser Verhältnis zu anderen Lebewesen, Organismen und Technologien in den Fokus rückt.

Es dauert neun Monate, um Leben zu erschaffen. Was wäre, wenn es ebenso lange benötigt, um den Körper nach dem Tod zu dekonstruieren? So wie der Körper langsam heranwächst, wird er nach dem Tod an das Ökosystem zurückgeführt und erschafft dabei wieder neues Leben. Mit der Beisetzung beginnt die liebevolle Pflege der Angehörigen um das Erdreich und die Prozesse der Rückführung. Die Trauernden können durch technologische Beobachtungen des Erdreichs mittels der ‘Objects of Caring’ auf dessen Bedürfnisse reagieren und nach Bedarf Materialien und Symbionten hinzufügen. Anders als traditioneller Grabschmuck haben die Objekte eine funktionale Intention und lassen dabei neue Ästhetiken des Todes entstehen.

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Sind genügend mikrobielle Symbionten vorhanden oder benötigt das Erdreich eventuell mehr Sauerstoff? Sobald die Messungen der Sensoren auf einen Mangel hinweisen, können die ‘Objects of Caring’ zum Einsatz kommen. Diese haben nur eine begrenzte Lebensdauer innerhalb eines Rückführungszyklus und sollten daher vordergründig aus biologisch abbaubaren Materialien gefertigt sein. Es wurden exemplarisch drei ‘Objects of Caring’ gestaltet, die allesamt die Bedeutung von nicht-menschlichen Organismen im Prozess der Zersetzung betonen.

Objekt Eins ist eine Verpackung sowie Positionierungshilfe für die Beigabe von Regenwürmern. Bei einem Sauerstoffmangel im Erdreich verbessern Regenwürmer die Sauerstoffversorgung, indem sie für eine lockere Bodenbeschaffenheit sorgen. Das Objekt zielt darauf ab, die in einem gesellschaftlichen Kontext oft negativ behafteten Würmer innerhalb eines ästhetischen Rituals zu verankern.

 

 

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Objekt Zwei stellt ein Material zur Anzucht von Pilzen und Myzelgeflechten dar, ​​welche die Zersetzung von organischem Material unterstützen. Pilze zersetzen ebenso wie Bakterien organische Substanzen und produzieren dabei Humus. Zur Positionierung im Boden können einzelne Riegel abgebrochen werden. Das Material ähnelt dem Anzuchtsubstrat innerhalb existierender Produkte, weicht jedoch in seiner formalen Gestaltung als auch Interaktion von diesen ab.

 

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Objekt Drei ermöglicht das behutsame Hinzufügen von Enzymen, die extrem wichtig für den Prozess der Zersetzung sind. Dem Boden werden diese in gefriergetrocknetem Zustand innerhalb eines meditativ anmutenden Rituals mit Hilfe eines Pinsels hinzugefügt.

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