NRW CAR 1.0

Forschungsprojekt
2013
betreut durch:
Carolin Schreiber
Jannes Weber
Kurt Mehnert
Nina Pillen

In Kooperation mit
Universität Duisburg-Essen

Unterstützt durch
Ford

Gefördert vom
Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk


Projektwebsite

nrw-car-2030.de/nrw-car-1-0-archiv


In der ersten Phase 2013 wurde mit einer Anschubfinanzierung durch das Wirtschaftsministerium NRW ein automobiler Designentwurf in Form eines 3D Modells, Animationen des In- und Exterieurs, 1:5 Maßstabmodell, eine Fahrsimulation in einer virtuellen künftigen Ruhrgebietsumgebung und eine Visualisierung des Mobilitätsverhaltens in Städten 2030 entwickelt. Designentwurf, Fahrsimulation und Visualisierungen der Stadtumgebung wurden ausgewählten Personen der Zielkundengruppen zusammen mit heutigen Elektrofahrzeugen derselben Fahrzeugklasse im Teststudio, der einwöchigen Car Clinic, im November 2013 präsentiert. Bei der Auftaktveranstaltung zur Car Clinic wurden die Forschungsergebnisse vorgestellt, um über das Projekt zu informieren. Im DesignStudio NRW wurden zuvor breit angelegte Interviews geführt. Fragen zum Design und zur Ausstattung von Fahrzeugen, zum Fahrzeuginnenraum und zu neuen Verkehrskonzepten wurden gestellt, um mehr über Marktchancen und Kaufwahrscheinlichkeit der Elektrofahrzeuge und über Ansprüche an Design, Material und Qualitätsanmutung zu erfahren.

Grundlage der Entwicklung des NRWCars war ein Lastenheft, mit dem ein gemeinsames Verständnis aller Beteiligten für das zu entwickelnde Elektrofahrzeug geschaffen wurde und das den Gestaltungsrahmen definiert. Erfahrungen in der Automobilindustrie zeigen, dass dazu eine Verdichtung der detaillierten Einzelergebnisse der Projektpartner notwendig ist. Im Sinne eines „Frontloadings“, d.h. des Ziels, die Eigenschaften eines Produktes oder Bauteils so früh wie möglich für die Entwicklung zu definieren, sollte der Vorentwicklungs- und Designprozess vereinfacht werden.

Der Designprozess

In den Gesprächen während der Meilensteintreffen ergaben sich viele Übereinstimmungen zwischen den definierten Zielkunden – durch die Forschung der anderen Lehrstühle – und den Erkenntnissen über die gesellschaftlichen sowie technischen Entwicklungen und Trends zur Mobilität aus der Sicht der Designer. In der sehr wichtigen Konzeptphase konnte durch diese Interdiziplinarität die Gestaltungsidee für das NRWCar sofort auf die Zielkunden und die technische Umsetzbarkeit hin überprüft werden. Für die Erstellung eines realistischen Zukunftsszenarios waren die Erkenntnisse zur Stadtentwicklung der Zukunft ebenfalls von Bedeutung. Die ersten konzeptionellen Ideen entwickelten sich anhand des Briefings zur Zielgruppe des Early Adopters und entsprechenden unterschiedlichen Gewichtungen der Ergebnisse aus der Designrecherche. So wurde zunächst die Wichtigkeit sich multimodal mit dem Fahrrad bewegen zu können als eine Hauptanforderung an das Fahrzeug festgeschrieben. Die größtmögliche Platzausnutzung trotz minimalster Fahrzeugmaße sowie eine innovative Lösung für 4 Passagiere sollten die Gestaltung des Fahrzeugs im Interieur bestimmen.

In der Entwurfsphase wurde das NRWCar in einem mehrwöchigen Prozess mit Hilfe von Proportionstests in den Werkstätten der Folkwang Universität und parallel als CAD Modell ausgearbeitet. Um die vielen Funktionen des Fahrzeugs zu visualisieren, waren analoge, digitale und animierte Darstellungen nötig. In den Modellbauwerkstätten von FORD wurde zudem noch ein 1:5 Maßstabmodell gefertigt.

Das NRWCar zeigt sich als ein kleines, elektrisches Fahrzeug – in beiden Ausstattungsvarianten – mit einem größtmöglichen Stauraum für max. 2 Fahrräder, Sportequipment, Einkäufe und alltäglich zu transportierende Dinge. Die Transformation vom 4-Sitzer mit Panoramasicht zum kleinen Van mit Laderaum wird ermöglicht, da die hinteren Sitze in Boden und Dach verschwinden können und sich der Beifahrersitz eingeklappt bis in die Front des NRWCars schieben lässt. In diesem Zustand ist der Transport von 2 Fahrrädern gleichzeitig möglich. Eine steile A-Säule und weit öffnende Türen kommen den Ansprüchen an bequemes Ein- und Aussteigen in den beengten Städten der Zukunft nach. Scheiben, die ihre Blickdurchlässigkeit verändern können, unterstützen das Konzept der Transformation und bieten die Möglichkeit, ein neues Stadtbild zu erzeugen. 4 cm kürzer als ein VW Up, hat das NRWCar das Ladevolumen eines Audi A6 Avant bei umgeklappter Rückbank und fast dachhoher Beladung und übertrifft damit die Wunschvorstellungen der Zielkunden. Das Exterieur ist freundlich, sportlich, das Interieur reduziert, modern und die sehr großen Fensterflächen bieten mit Rundumsicht mehr Sicherheit für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer im urbanen Raum.

Die Formen und die Funktionen des NRWCars wurden nach den Anforderungen, die durch die Zielkundenbefragungen definiert wurden, und durch die Aussagen der Ingenieure im Projektteam über die zukünftige technische Machbarkeit gestaltet.

Die Car Clinic

Die Forschungsergebnisse wurden im November 2013 während einer 7-tägigen Car Clinic dem NRW Minister Garrelt Duin, der Öffentlichkeit, den Probanden, den geladenen Gästen und der Presse vorgestellt.
Eine Car Clinic ist ein gängiges Marktforschungsinstrument der Automobilindustrie, in dem die entwickelten Fahrzeug- und Mobilitätskonzepte den möglichen Zielkunden, zusammen mit bereits auf dem Markt erhältlichen Konkurrenzfahrzeugen, vorgestellt werden. Die Testpersonen wurden eingehend befragt, u.a. zum Fahrerlebnis durch die Stadt 2030 im Simulator und zum Design des NRWCars sowie zu ihrer Bereitschaft, das NRWCar zu kaufen.