Ein Manifest in Arbeit

Die folgenden Aussagen sollen – wie gute Gestaltung – als diskutier-, veränder- und erweiterbar verstanden werden...

1
Industrial Design ist mehr als die Gestaltung von Produkten.

Industrial Design verfolgt selten eine unmittelbar politische Intention, ist aber dennoch eine wichtige politische Praxis, denn in jedem Entwurf manifestiert sich das gesellschaftliche Gefüge der jeweiligen Zeit und verändert es. Industrial Design entwirft Produkte, Prozesse, Wahrnehmungen, Beziehungen und Erlebnisse. Industrial Design erforscht, entwirft und verändert Gesellschaft.

2
Industrial Design gestaltet sinnvoll und sinnlich.

Gesellschaftliche Veränderungen, vor allem im Bereich der durch die Digitalisierung fortschreitenden Informations- und Wissensexplosion erfordern semantisch lesbare Gestaltung, die Ordnung und Sinn stiftet. Aber selbst wenn der Entmaterialisierungsprozess der Dinge fortschreitet, bleibt der Mensch ein materielles Wesen, das sich und seine Umwelt über die Sinne erfährt und sinnliche Gestaltung braucht.

3
Industrial Design hat stets den Menschen im Fokus.

Die Ergebnisse des Industrial Design können nur Relevanz besitzen, wenn im Gestaltungsprozess der jeweilige Kontext aktiv erforscht und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen geschieht.

4
Nachhaltigkeit ist für das Industrial Design eine Standardeinstellung.

Heute ist kein Gestaltungsprozess ohne Überlegungen zur Nachhaltigkeit möglich. Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit wird allerdings nur erreicht, wenn sie ganzheitlich gedacht wird und wenn Nachhaltigkeitsversprechen auch formal und funktional eingehalten werden.

5
Industrial Design braucht ganzheitlich denkende Gestalter mit Liebe zum Detail.

Im Gestaltungsprozess müssen alle für das jeweilige Projekt relevanten Faktoren zu einer gestalterischen Gesamtheit zusammengeführt und bis ins letzte Detail durchdacht werden. Vollständige Objektivität dabei zu erreichen, ist dabei ebenso illusorisch, wie die Ausbildung von Generalisten. Es braucht ganzheitlich denkende Gestalter mit der Fähigkeit spezifischer Wissensaneignung und der Kompetenz, dieses Wissen in neue Kontexte und zu neuen (Lebens-) Entwürfen zu transferieren.

6
Industrial Design ist die Transformation von Inhalt in Form.

Durch Industrial Design bekommen Inhalte Gestalt und Gehalt. Der Begriff der “Formgestaltung” hat noch immer Relevanz, wenn man Form in jeglicher Dimension und auch immateriell versteht. So gestaltet Industrial Design vor allem auch die Form menschlichen Zusammenlebens. Die Form sollte stets das Ergebnis – nicht das Ziel – des Gestaltungsprozesses sein.

7
Industrie 4.0 braucht Industrial Design 4.0

Wenn wir von Industrie 4.0 sprechen, müssen wir auch von Industrial Design 4.0 sprechen. Neue Technologien ermöglichen Mass Customization, Distributed Manufacturing oder Augmented Reality und verändern unsere (Produkt-) Welt und die Rolle des Designers, aber sie stellen auch neue Herausforderungen an Standardisierung, Qualitätskontrolle, Originalität und Urheberrecht.

8
Industrial Design ist viel mehr als ein genialer Einfall.

Es gibt sie, die Heureka-Momente, aber der geniale Einfall ist kein Design, sondern allenfalls Startpunkt eines gestalterischen Prozesses. Die eigentliche Arbeit steht dann erst an. Ein Einfall ist nichts wert, wenn man ihn nicht konsequent verfolgt.

9