Color Energy

Muss ein Fahrzeug mit zu viel CO2-Ausstoß vor Scham ERRÖTEN?
Welche Farben haben Lieferfahrzeuge ohne CO2- und Feinstaub-Emissionen?
Gibt es ein GRÜN gegen langweilige grüne Mobilitätslösungen?

In dem von Prof.Marion Digel und Sebastian Goldschmidtböing betreuten Kooperationsprojekt mit dem Lackhersteller BASF Coatings GmbH setzen sich Studierende des Industrial Designs mit der Fragestellung auseinander, ob und wie es möglich ist, über die Farbgebung die Akzeptanz von Automobilen mit alternativen Antriebsenergien zu unterstützen.
Welchen Beitrag kann Farbgestaltung leisten, um die Attraktivität von emissionsarmen Fahrzeugen zu steigern und sie von dem Heer der Individualfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren sichtbar zu unterscheiden? Ist es sinnvoll, dass sich diese Fahrzeuge sichtbar unterscheiden – oder sollten sie sich vielleicht eher farblich unterordnen?

Dies zu erkunden und mögliche Farbkonzepte zu entwickeln ist die Aufgabe der Studierenden im SoSe 2019. Sie entwerfen Farbkonzepte und deren Kommunikation für Fahrzeuge mit alternativen Antriebsenergien in fünf definierten Nutzungsgruppen:

URBAN AVANTGARDE
Individualverkehr im urbanen Raum mit alternativen Antrieben in den Ballungszentren Mitteleuropas (Privatfahrzeuge)

DELIVERY 
Lieferfahrzeuge mit alternativen Antrieben für die Bewältigung der sogenannten letzten Meile (Firmenfahrzeuge oder Leasingfahrzeuge)

COUNTRY COMMUTER
Pendlerfahrzeuge mit alternativen Antrieben (Privat- oder Firmenfahrzeuge)

FAMILY AFFAIRS
Familienfahrzeuge mit alternativen Antrieben (Privatfahrzeuge)

MULTI USERS 
Fahrzeugflotten geeignet für Sharingkonzepte im städtischen oder im ländlichen Raum mit alternativen Antrieben

Die Studierenden erschließen sich diese unterschiedlichen Milieus zunächst mit der Methode der Feldforschung. Dies geschieht auf der Basis ihrer Beobachtungen. Mithilfe von Fotos und Videos sammeln und dokumentieren sie charakteristische Situationen in diesen Milieus und verfassen eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Farbwelten. Darüber hinaus sammeln sie Impulse aus verwandten und weniger nahen Gebieten, von anderen Fahrzeugen bis hin zu Architektur, Mode und kulturellen Einflüssen. Ziel ist es das Verhältnis von Farbe zum Nutzungskontext zu erfassen, festzustellen aus welchen Inspirationsquellen sich Farbwelten speisen und aus diesen Erkenntnissen Ableitungen für neue Farbkonzepte zu entwickeln. Dazu erarbeiten die Studierenden Farbgruppen, für die sie selbst Farben samplen, anmischen und abgleichen, um einen ersten Bestand an Farbtönen für die jeweiligen Milieus zu erzeugen.

Die Sichtung der Ergebnisse der ersten Feldforschung sowie der ersten Farbsammlungen für die jeweiligen Nutzungskontexte waren Anlass für die erste Schulterblickpräsentation am 02.Mai 2019 im Quartier Nord. Fachliches Feedback erhielten die Studierenden zusätzlich von Mark Gutjahr (Head of Design EMEA / Coatings Color and Design) sowie von Astrid van der Auwera (Global Design Management / Coatings Color and Design) der Firma BASF Coatings GmbH. Mark Gutjahr gab außerdem in einem Fachvortrag Einblicke in Recherche-Methoden seines international agierenden Design-Teams. Unter anderem stellte er darin das Prinzip der „Word Clouds“ vor, in dem Begriffe sich um die Kernthemen einer konkreten Fragestellung ansiedeln. Prof. Marion Digel forderte die Studierenden auf, im weiteren Arbeitsprozess in ähnlicher Art und Weise Kernsätze zu formulieren, die die zentralen Fragestellungen und charakteristischen Feststellungen über ihr jeweiliges Milieu treffend benennen. Als weiteren nächsten Arbeitsschritt regte sie die Sammlung von Farbnamen an, die aus den Milieus und/oder den alternativen Energien inspiriert sein können. So können Worte helfen, Farbentscheidungen zu treffen. 

Der nächste Schulterblicktermin mit BASF Coatings GmbH findet am 06. Juni 2019 im SANAA-Gebäude statt.

Text: Kristina Raderschad, Prof. Marion Digel
Fotos: Leif-Erik Schmitt